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Informationen zum Lipödem

Das Krankheitsbild

Informationen zum Lipödem

Das Krankheitsbild

Die Erkrankung

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung. Aus heutiger Sicht der Experten handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Unterhautfettgewebes, die ausschließlich Frauen betrifft. Sie beginnt oft mit der Pubertät und zeichnet sich durch Zunahme der Körperproportionen, hauptsächlich an Armen und Beinen, aus.

Seit wann gibt es Lipödeme?

Lipödeme gibt es wahrscheinlich schon so lange wie es Menschen gibt. In vielen alten Kulturen finden sich Abbildungen und Zeichnungen stark verdickter Beine. Bekannt ist beispielsweise eine 5000 Jahre alte Statue der Großen Göttin im Tempel Hal Tarxien auf Malta. Sie zeigt für das Lipödem typisch veränderte Unterschenkel.

Wie entsteht ein Lipödem?

Leider ist die Entstehung eines Lipödems bislang noch weitgehend ungeklärt. Vermutet werden familiäre Anlagen, Hormonregulationen und veränderte Stoffwechselprozesse. Die Bezeichung „Lipödem“ sehen Experten kritisch, da zu Beginn oftmals keine Ödem-Erkrankung vorliegt. Es handelt sich im Anfangsstadium um eine Fettgewebsvermehrung mit unklarer Ursache. Aktuelle Untersuchungen und Forschungen ergeben, dass das Fettgewebe irregulär Hormone bildet und durch eine Veränderung des Gewebes eine leichte Entzündung entsteht, die wiederum Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung erzeugt – ein Teufelskreis.

Ein stetiges Fortschreiten der Krankheit ließ sich wissenschaftlich bislang nicht beweisen und stützt sich lediglich auf Beobachtungen. Schätzungen zufolge sind in Deutschland rund zehn Prozent aller Frauen von der Erkrankung betroffen. 

Welche Beschwerden verursacht ein Lipödem?

Charakteristisch sind Druck- und Berührungsschmerzen sowie durch Wasseransammlungen verursachte Schwere- und Spannungsgefühle. Diese Beschwerden verstärken sich durch längeres Stehen oder Sitzen – gerade im Sommer. Betroffene neigen schon bei geringen Stößen oder Druckbelastung zu Blutergüssen. Dies wird durch eine erhöhte Brüchigkeit der Haargefäßen verursacht (Kapillarfragilität).

Zusätzlich leiden die betroffenen Frauen unter der psychischen Belastung durch ihr verändertes Aussehen. Bleibt die Krankheit unbehandelt geraten die Patientinnen in eine oft jahrelange Leidenssituation, die durch chronischen Stress, Depression, Angst, Schmerzzunahme und Hilflosigkeit gekennzeichnet ist. Zusätzlich liegt in vielen Fällen eine Adipositas (Fettleibigkeit) vor, die unbedingt in die Therapie miteinbezogen werden muss.

Die Diagnose

Wie wird ein Lipödem diagnostiziert?

„Warum schmerzen meine Beine?“ oder „Habe ich nun ein Lipödem oder nicht?“ Diese Fragen stellen sich die Betroffenen oft zu Beginn der Erkrankung. Nicht selten erfahren Frauen, die unter einem Lipödem leiden, zunächst auf den unterschiedlichsten Wegen von ihrer Erkrankung. Soziale Medien, Internet-Recherchen und das Fernsehen sind oftmals Hilfestellungen auf dem Weg zur Selbstdiagnose. Erst dann erfolgt in vielen Fällen der Gang zu einem Experten.

Um den Teufelskreis dieser chronischen Erkrankung zu durchbrechen, haben wir bedarfsgerechte Strukturen geschaffen, die es ermöglichen, das Krankheitsbild richtig zu diagnostizieren und zu behandeln. Dieser Vorgehensweise haben wir uns verschrieben und eine interdisziplinäre Sichtweise und Behandlung erstellt.

 

Wie läuft die Beratung ab?

Um die Erkrankung richtig zu diagnostizieren, müssen in einem umfassenden Gespräch eine sehr exakte Verlaufsgeschichte und ein Gesundheitsprofil erstellt werden. Es geht sowohl um die individuellen Beschwerden und den Beginn oder Auslöser der körperlichen Veränderungen, als auch um sozialmedizinische Aspekte. Worunter leidet die Lipödem-Betroffene denn eigentlich? Was genau tut weh und wann? Wie ist die psychische Verfassung, das Essverhalten und die Ernährung? Wie sieht es mit den Faktoren Stress, Körperwahrnehmung, Sport, Motivation, und Bewegungseinschränkungen aus? Wie sehr ist die Lebensqualität eingeschränkt?

Wir führen eine umfassende Erstberatung durch, in der all diese Themen besprochen werden. Nehmen Sie sich ca. eine Stunde dafür Zeit. Innerhalb dieser Erstberatung werden weitere Schritte einer Behandlung erörtert. Ergänzend zur Beratung und körperlichen Untersuchungen kommen bei Bedarf auch labormedizinische Blutuntersuchungen (wie z.B. Insulinresistenz), eine Ultraschalluntersuchung und eine genaue Schmerzdiagnostik zum Einsatz.

Die Liposuktion

,,Wir behandeln die Erkrankung umfassend.” Was bedeutet das?

Nach Erstellung der Diagnose und unter Einbezug aller individuellen Faktoren, wie etwa dem Stadium der Erkrankung, den Schmerzen und der Fettgewebsdysproportion stellt sich oftmals die Frage nach einer Liposuktion. Diese sogenannte Indikationsstellung treffen wir gemeinsam.

Die Liposuktion wird seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführt. Sie obliegt im Allgemeinen der plastischen und ästhetischen Chirurgie. Standards wurden verfasst, Techniken etabliert und Leitlinien berücksichtigt.

Die wasserstrahl-assistierte Liposuktion (WAL) hat sich in den letzten Jahren als sehr schonend und effektiv erwiesen. Diese Technik führen wir in der Grafental Klinik mit Erfolg durch.

Im Rahmen einer Erprobungsstudie, vom Gemeinsamen Bundesausschuss in Auftrag gegeben, wird nun die Wirksamkeit der Liposuktion bei Betroffenen untersucht. Gleichzeitig arbeiten wir mit der Studienzentrale des Luisenkrankenhauses an einer wissenschaftlichen Auswertung. Ziel ist es die Therapieergebnisse der von uns behandelten Patientinnen zu analysieren und den Nutzen einer operativen Therapie zu belegen.

Was bewirkt eine Liposuktion?

Bei einer Liposuktion wird krankhaft verändertes Fettgewebe entfernt. Diese plastisch-chirurgische Behandlung bewirkt eine Reduktion der krankhaft veränderten Gewebeschicht einhergehend mit folgenden Veränderungen: Schmerzrückgang bis zur fast vollständigen Schmerzfreiheit, Verbesserung der Dysproportionen, Rückgang der Neigung zu blauen Flecken, Beseitigung des Schweregefühls, Deutliche Verbesserung der körperlichen Beweglichkeit Erhöhung der Motivation zur Bewegung. Die Behandlung ist dadurch aber nicht immer abgeschlossen. Ob mehrere Operationen sinnvoll und notwendig sind, wird bei jeder Patientin individuell entschieden und geplant.

Wie geht es nach der Liposuktion weiter?

Nach einem Eingriff folgt der nächste Teil der Therapie. Dieser besteht, wenn nicht schon vor der Operation begonnen, aus der manuellen Lymphdrainage, Kompression und Physiotherapie, Coaching und psychologischer Unterstützung. Anleitungen zu Bewegungsübungen und Verbesserung des Selbstmanagements können helfen, den Teufelskreis zu durchbrechen. Ein schönes Zitat einer unserer Patientinnen lautet: „Mir hat diese Therapie sehr geholfen, wieder laufen zu lernen und Freude an Bewegung zu haben!“

Nachhaltige Betreuung und Begleitung

Regelmäßige Nachuntersuchungen nach einer Operation sind sehr wichtig, damit Unsicherheiten genommen und Fragen beantwortet werden. Der Heilungsverlauf wird komplettierend gestaltet. Eine chronische Erkrankung benötigt eine intensive Betreuung mit einem Höchstmaß an Empathie und Einfühlungsvermögen. Davon sind wir überzeugt! Komplett heilbar ist das Krankheitsbild nicht. Dennoch schaffen wir in den allermeisten Fällen einen so erheblichen Rückgang der Beschwerden, dass die Wege aus dem Krankheitsbild geebnet sind und gelingen. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in unserem Bereich “Beratung, Behandlung und Betreuung”.

Mir hat diese Therapie sehr geholfen, wieder laufen zu lernen und Freude an Bewegung zu haben!“